So müsste Technik!

So müsste Technik!

Kunden-Support nach außen und Kommunikation des Unternehmens nach innen werden oft genug als zwei verschiedene Stiefel betrachtet, dabei ist der Markt doch mittlerweile hinreichend gefüllt mit System-Angeboten, die für Abhilfe sorgen sollen.

Bei einer Produkt-Recherche zum Thema e-Ticket, Wiki und Wissensdatenbank, die ich aus aktuellem Anlass in den letzten Wochen durchgeführt habe, musste ich allerdings feststellen, dass sich der Markt zum einen unübersichtlich gestaltet und sich zum Weiteren die Anbieter vorzüglich in der Kunst verstehen, die Vorzüge Ihrer Systeme dem Interessenten gegenüber zu verheimlichen.

Ich habe eine tabellarische Aufstellung über die Anforderungen erstellt, die ich zusammen mit meinem Kunden ausgearbeitet habe und die Anbieter danach abgeglichen, wohlbemerkt zunächst NICHT mit angebotenen Testversion (das sollte erst im nächsten Schritt nach einer Vorauswahl erfolgen – sofern die Anbieter eine Testversion vorsahen, auch das war eines der Kriterien), sondern „nur“ nach einer Recherche der System-Beschreibungen, Produkt-Videos und evtl. FAQ und Foren.

Geradezu unmöglich war es dabei herauszufinden, WO (also in welchem Rechtsbereich) die Cloud-Daten abgelegt werden, dabei hat ist in der letzten Zeit doch mehrfach journalistische Hinweise auf die potentielle rechtliche Problematik gegeben. Nicht jeder bietet eine Testversion an und bei manchen der Anbieter finden sich diesbezügliche Hinweise erst, nachdem die Homepage umständlich durchsucht wird. Installationsanleitungen scheinen insb. Bei Open-Source-Produkten mit dem Zufallsgenerator übersetzt. Demos werden meist als Screenshots zur Verfügung gestellt, teilweise OHNE die Möglichkeit durch die Screenshots „durchzublättern“ (also lauter Einzelaufrufe). In einigen Fällen werden Tutorials angeboten, die qualitativ recht unterschiedlich ausfallen. Von „Home-made“ (schlechte Sound- und Bildqualität) bis höchst professionell war alles dabei.

Bei den sehr professionellen Videos musste ich allerdings mehrfach feststellen, dass es sich dann zumeist um Werbe-Clips handelt, die dem Betrachter des Videos mittels angebliche überzeugter Kunden die enormen Vorteile des Systems mit Begeisterung vortragen, dann aber die Details aussparten. Gesondert sei hier Salesforce aber auch ZenDesk genannt (der zweitgenannte verfügt zudem über einen durchaus Kinoreifen Kurzfilm, leider jedoch ohne nennenswerten informativen Nährwert) Im Einzelfall waren keine Preise zu ermitteln, selbst bei einer Mail-Anfrage erhielt in bei einem Anbieter lediglich eine Link-Liste zu den Produkt-Vorzügen, aber OHNE Preisangaben. Nur wenig Anbieter boten bei meiner Recherche für die meisten Fragen auch verwertbare Antworten (sofa-helpdesk und logatech-it).

der Schrei! (by Joschka Knoblauch, Quelle pixelio.de)
der Schrei! (by Joschka Knoblauch, Quelle pixelio.de)

Liebe Software-Anbieter: BITTE: Wenn ich ein Produkt-Video sehe, möchte ich auch gerne sehen WIE das funktioniert und welche Funktionalitäten mir angeboten werden. Wenn Screenshots zur Verfügung gestellt werden, möchte ich nicht jeden Screenshot einzeln aufrufen. Ich möchte bei einer Cloud-Lösung wissen, Wo sich meine Daten befinden. Ich möchte umstandsneutral eine Information über die Preisgestaltung erhalten.

Vielen Dank!

Sichern Sie sich Ihr Leben (bevor es ein anderer macht)

Aus aktuellem Anlass kann ich Ihnen empfehlen, sich bei den wesentlichen social-media-Netzwerken mit Ihrem eindeutigen Namen zu registrieren, also bei Facebook, Twitter, Google+ und Co.  Sollten Sie Peter Müller, Christine Meier oder Sascha Schmidt heißen, ist das vielleicht nicht so einfach, diese Namen gibt es bekanntlich mehrfach. Aber stellen Sie sich vor, Sie finden Ihren Namen mit einem Lebenslauf (und einer nenneswerten Anzahl von Einzelaktionen) im sozialen Netzwerk in einer Weise vor, wie Sie es evtl. für „nicht veröffentlichungswürdig“ halten.

Die Ankündigung von Facebook, „das gesamte Leben“ in einer Timeline abzubilden sollte hier Anlass zur Besorgnis darstellen, Datenschutzbeauftragte äußern sich besorgt.   Thilo Weichert, der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, sagte „Ich kann jedem nur raten, entweder ganz die Finger davon zu lassen oder es sehr vorsichtig zu nutzen“.

Wozu aber der Rat, sich bei den genannten Netzwerken zu registrieren? Auch wenn Sie (bis auf Weiteres) nicht beabsichtigen, die Möglichkeiten dieser Art der Kommunikation für sich zu nutzen, können Sie aber auf diese Weise wenigsten so einigermaßen sicherstellen, dass es auch kein anderer (in Ihrem Namen) tut.

alles im Netz?

Zwar gibt z.B. Twitter an, bei Nichtnutzung des Accounts sich das Recht vorzubehalten, diesen nach sechs Monaten stillzulegen (hoffentlich mit vorheriger Ankündigung), der Name bleibt nur bis auf Weiteres „vergeben“. Das wurde auch lange nicht so strikt eingehalten, es besteht aber seit Anfang 2010 die Möglichkeit,  dass sich jemand anderes diesen Namen sichert. Durch einen Login und Logout (spätestens alle 6 Monate also) sind Sie aber schon wieder im Rennen.

Bevor Sie in diesem Zusammenhang übrigens auf „dumme Ideen“ kommen sollten: Unternehmen können bei Twitter Ihre Namensrechte gelten machen, Beispiel: BBC.

Google+ „erzwingt“ sogar Klarnamen als Voraussetzung für eine Anmeldung (also keine Pseudonyme). Facebook verschickt an die hinterlegte Mail-Adresse regelmäßig „Mahnungen“, wenn Sie sich länger nicht angemeldet haben (inhaltlich handelt es sich nicht um Mahnungen, eher um „Erinnerungen“ die u.a. überraschenderweise die eigenen Nachbarn als „Freunde“ vorschlagen und den Nutzer auffordern sich mal wieder anzumelden). Mit der Methode der unerlaubten Video-Klick-Gefällt-Mir-Weiterleitung, dem sogenannten Clickjacking, und der äußerst unbeliebten Weiterleitung von Daten in die USA hat sich dieser Betreiber ohnehin gelegentlich in die Schlagzeilen gebracht.

Ansonsten sollte selbstverständlich gelten „do no evil“, „erzähle keinen Mist“
bedenke, dass das Netz nichts vergisst.

verloren im Netz?

Das betrifft übrigens auch vermeintlich temporär eingestellte Fotos, Videos, Kommentare und dergleichen. Mit dem Löschen ist das eh so eine Sache. Die Dateien werden durchaus nicht verlässlich sofort physisch gelöscht. „Wenn ich das Hinweisschild nach Hannover entferne, ist dadurch nicht auch Hannover weg“ (Zitat Sascha Lobo auf der Veranstaltung im „Herrenhäuser Gespräch: Wie beeinflusst das Internet unser kulturelles Gedächtnis?“ am 30.09.2010). Man muss sich darüber im Klaren sein – und darauf muss ich besonders „junge Leute“ gelegentlich hinweisen, dass diese Inhalte bleiben! Und beliebig kopiert werden können! Und eben diese Inhalte können einem später nochmal zum Verhängnis werden. Mit der genannten timeline wird das noch etwas „dichter“. Interessanterweise haben sich im Netz Anbieter etabliert, die im Auftrag das Netz durchstöbern und unerwünschte Inhalte, die „meinen content“ auf unliebsamen Seiten entfernen, bzw. zu entfernen versuchen.

Wenn Ihnen Ihr Name lieb ist, registieren Sie sich. Zumindest bei Googleplustwitterfacebook und sichern Sie sich IHREN Namen. Behalten Sie die Kontrolle über den „content“, der in Ihrem Namen verbreitet wird (und merken Sie sich irgendwie irgendwo das Passwort;-).

Lesenswert:  Unirgnorierbar (von Sascha Lobo)

In diesen Sinne hier übrigens auch gerne einen Verweis auf Netzdurchblick.de:

Autor

Autor

Fachautor bei unternehmer.de:
http://www.unternehmer.de/author/thorsten-lieder
seit Oktober 2014 auch für das Magazin “Unternehmer-Wissen-Kompakt“:
die Daten-Kolumne:
  -> B-Wertung in der A-Note
(über die Erhebung und Auswertung von Bewertungsbögen)
  -> Auf der Datensuche
(Aspekte der Datenbereinigung)
  -> Was sehe ich hier eigentlich?
(über die Möglichkeit, Diagramme kunstvoll zu verunstalten;-)
 -> K(l)eine Lösung in Sicht!?
(die “Datenbank-Panik”, über die “kleine” Lösung)
-> Abfragen ohne SQL
(Code-freier Zugriff auf variable Datenquellen)

Meine Datenkolumne bei aus-der-aktentasche und bei medium.com