Die Suchtmaschine

Gerade wurde ausgiebig über das Thema Internetsucht debattiert (auch ohne dass dieser Begriff  genauer definiert oder wissenschaftlich hinreichend beleuchtet wurde). Bei Twitter wurden dazu im Sekundentakt Tweets veröffentlicht. Jetzt ist die Suchtmachine Google 10 Jahre alt geworden und es zeigt sich, dass eine seinerzeit als „nicht unbedingt erforderlich“  eingeschätzte Maschine (schließlich gab es ja bereits einige große Suchmaschinen) nicht nur den Such-Markt, sondern „den Markt an sich“ beherrscht.

Unter SEO kann folgendes verstanden werden: WIE gestalte und optimiere ich meinen Internetauftritt derart, dass die Firma Google Suchergebnisse an den Anwender so zurückgibt, dass die Wahrscheindlichkeit, dass „meine“ Seite dabei auf der ersten Google-Seite der Suchergebnisse erscheint, möglichst hoch ausfällt.

die Suchtmaschine 😀

Google befragte den Angaben zufolge 11.000 Unternehmen, wie sie die Dienst nutzen. Dem Ergebnis scheint entnommen werden zu können, dass das Marketing-A&O die genannte Optimierungsmethode gewidmet zu sein scheint, einschließlich Adwords, Analytics & Co.  „Was die Googlesuche nicht auf der ersten Seite ausspuckt, findet im Internet nicht statt“ [Zitat ZDF].

Kann das aber alles sein? Zitat von Joachim Graf zum Thema SEO-Märchen
(Search-Engine-Milchmädchenrechnung): “ Schließlich bringe nicht jeder Euro, der in Google-Suchwortanzeigen gesteckt wird, automatisch Ertrag – geschweige denn zwölf Euro. “ … „Der Umsatz geht hoch, aber der Gewinn nicht. Suchmaschinen-Optimierung ist eine immer komplexer werdende Materie. Das kann man immer weniger mal nebenbei machen. Die TV-Werbebudgets planen ja auch in der Regel Menschen, die wissen was sie tun.“

Sich derart auf die Virtualität zu verlassen, scheint mir etwas zu „gläubig“, wenngleich natürlich nicht unterschätzt werden darf, dass sich tatsächlich sehr viel zum Thema Informationsbeschaffung (BESCHAFFUNG!) auf das Internet verlagert hat. Aber existiert wirklich eine derart weit verbreitete und teilreflektierte Grundgläubigkeit, dass auf diese Weise(n) Kunden und das Kundenvertrauen(!) an die SEO-Optimisten  verkauft werden kann? Nicht jedes Unternehmen ist ein Reisebüro (Focus: Jeder fünfte Deutsche buchte im Internet) und hieß es nicht kürzlich noch „frag nicht Google, frage Deine Freunde“ (wobei hier die belanglosen Kontakte von Facebook gemeint waren)?.

Interessanterweise haben sich übrigens in den letzten Jahren dennoch einige Unternehmen von der Online- in die Offline-Welt gewagt (und im Einzelfall gewonnen).

Zum Thema „Informationsbeschaffung“ sei an dieser Stelle übrigens folgender Beitrag vom Deutschlandfunk empfohlen: Internetbildung oder: Vom Verlust der Übersicht (verbunden mit dem Hinweis, dass der Autor nicht ausnahmslos mit der in dem Beitrag zu Ausdruck gebrachten Meinung übereinstimmt, da in dem Beitrag m.E. zu sehr davon ausgegangen wird, dass Information und Bildung nahezu ausschließlich auf das Internet und Suchmaschinen beschränkt wird)